Über Freundschaft.

Vivi und ich sind Schwestern. Im Geiste. Wobei ich ja immer noch glaube, dass wir bei der Geburt getrennt wurden. Wir denken in vielen Dingen gleich, tun uns mit den gleichen Dingen schwer und finden beide das Mesut Özil eine echte Sahneschnitte ist. Vor ein paar Jahren haben wir jede Woche unsere Heimatstadt unsicher gemacht. Im Lech gebadet, versucht auf dem Longboard cool auszusehen, im Garten Mango gegessen und über das Leben geredet. Es war schön, es war vertraut. Und irgendwie haben wir uns dann verloren. Verloren im Alltag, zwischen Terminen, unterschiedlichen Wohnorten und eben allem was man Leben nennt.

Freundschaften sind eine spannende Sache. In den meisten Momenten fühlt es sich so an, als würde man dem anderen für immer nah sein. Zusammen alt werden, zusammen Geschichte schreiben. Das klingt wunderschön. Leider musste ich immer wieder feststellen, dass das Leben wie eine Busfahrt ist und nicht jeder eine Fahrkarte bis zur Endstation hat. Manche sind von Anfang an dabei, manche steigen später zu oder früher aus. Manche fahren schwarz und wieder andere haben ein Jahresabo. Nicht nur eine Liebesbeziehung braucht viel Pflege und hat Redebedarf. Wer eine geile Busfahrt will, muss für die richtige Playlist, gute Reisesnacks und bequeme Sitzplätze sorgen.

„Brich nie das Band der Freundschaft unüberlegt entzwei, denn findest du es wieder, ein Knoten bleibt dabei“. Ich habe ein paar Knoten in meiner Freundschaftssammlung. Hier und da verlor ich mich. Stellenweise fühlt es sich an wie eine Trennung, ein fieses Schluss machen. Aber auch hier muss ich wieder vor dem Leben kapitulieren. Und ich tu es nicht mal mit Bitterkeit. Nur ein wenig Schwermut. Manche Freundschaften verändern sich. Manche werden tiefer, manche flacher. Manche halten ewig, manche nur kurze Zeit. An manchen lohnt es sich festzuhalten, andere kosten viel zu viel Kraft. Was auf welche Freundschaft zutrifft muss jeder selbst für sich entscheiden.

Man verändert sich. Das ist gut! Aber eben nicht jeder Mensch verändert sich in die gleiche Richtung, oder in der gleichen Geschwindigkeit. Dann wächst man aneinander vorbei oder über den anderen hinaus. Man kann nicht immer mithalten, nicht immer im Bus mitfahren. Trotzdem heißt das nicht, dass die Fahrt bis dahin nicht gut war. Alle meine Freundschaften waren wunderbar, ich habe sie zelebriert! Ich würde sie jederzeit wieder knüpfen. Aber ich muss lernen loszulassen. Es nicht zu persönlich zu nehmen.

In der Zwischenzeit freue ich mich, dass Vivi und ich uns wieder gefunden haben. Dass wir zusammen Turnbeutel nähen, Fotos machen, Kaffee trinken und durch die Straßen in München streifen. Weil manchmal muss man sich einfach (übereinander) mal freuen!

 

Lieben Gruß

Julia

 

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