Bali.

Ende Juni ist mein Arbeitsvertrag, einen Monat früher als ich dachte, ausgelaufen. Es war ein Wechselbad der Gefühle. Panik und Ruhe lösten sich im Stundentakt ab. Was würde ich danach tun? Wo gehe ich hin? Wie funktioniert das mit dem Arbeitsamt eigentlich? Und so weiter. Und was ist eigentlich wenn ich noch mal Reisen will? Stimmt. Ich sollte erst mal raus, die Welt sehen, Tellerrand und Horizont und so.

Ich wollte schon immer mal nach Asien. Die Kultur fasziniert mich unheimlich, schon seit ich ein kleines Mädchen war. Trotzdem habe ich es noch nie dorthin geschafft. Mein ursprünglicher Plan war es, für 4 Wochen nach Japan zu gehen. Auch das ist ein kleiner Kindheitstraum. Aber als ich recherchierte, stellte ich fest, dass Japan im Moment einfach zu teuer ist, vor allem für einen Monat. Tja, aber ein Vorteil von Asien ist, dass es an vielen Stellen unheimlich günstig ist. Vor einiger Zeit hatte ich einen Artikel über Bali gelesen und so brannte sich der Name der kleinen Insel in meinem Kopf ein. Ja, was ist eigentlich mit Bali?

Natürlich bin ich nicht die erste (und auch nicht die einzige), die nach Asien reisen will. Es ist voll mit Europäern. Voll mit Backpackern. Voll mit Touristen. Viele meiner Freunde und sogar mein eigener Bruder haben schon eine Backpacker-Asien-Reise hinter sich. Ich beratschlagte mit besagten Leuten. Thailand, Laos, Vietnam, vielleicht sogar Indien? Na Julia, was darfs sein? Klingt alles super. Aber aus irgendeinem Grund sagte mein Herz: Bali!

Zack bum. Ticket gebucht. Hütte gebucht. Ab nach Bali. Allein. Das erste mal so richtig allein. So richtig weit weg.

Tja. Dann stand ich da. Zwischen Hühnern und Warungs, Rollern und Drachen, verliebten Touristenpärchen und Backpackern, Reisfeldern und Tempeln. Mein erster Tag war schrecklich. Ich war von meiner Reise völlig erschöpft (die übrigens 38 Stunden lang war) und übermüdet. Ich lief durch die Straßen Ubuds (der Ort in dem ich lebte) und als ich mich am Abend in mein Bett legte weinte ich bitterlich. Scheiße. Jetzt bin ich am anderen Ende der Welt. Ganz alleine. In einem Land das ich überhaupt nicht kenne. Was mach ich denn in all der Zeit? Aber wie so oft hilft eine gute Mütze Schlaf. Am nächsten Morgen mietete ich mir einen Roller (ich bin vorher noch nie selbst gefahren!) und zog los um diese kleine Insel zu entdecken. Und als ich dann da auf meinem Roller saß, mir der Fahrtwind ins Gesicht blies, die Sonne meine Arme wärmte und ich mich durch den dichten Verkehr wuselte, da fühlte ich mich frei. Unbesiegbar. Bali sollte mich auf eine unglaubliche Reise mitnehmen. Eine Reise auf der ich unglaubliche Menschen kennenlernen würde, Dinge über das Leben und vor allem über mich selber lernen würde. Ich bin so dankbar für die Zeit dort.

Ich lernte eine Deutsche kennen, die sich in einen Australier verliebte und ihren Liebeskummer auf Bali kurierte. Ich lernte eine Amerikanerin kennen, die mit mir tanzte, ganz frei, die mich in ihre Seele blicken lies und der ich Nahe kommen durfte. Ich lernte einen Chinesen kennen, der die schönsten Schwarzweiß Fotos schießt, die Deutschen wegen ihren Kameras (Leica) mag und mit dem ich jetzt auf Instagram befreundet bin. Ich lernte eine Philippinin kennen, die seit 20 Jahren auf Bali zwischen den Reisfeldern lebt, und mir den Hinduismus erklärt und mir zu manchen Teilen die Augen geöffnet hat. Ich lernte zwei indonesische Bauern kennen, die mir eine Kokosnuss schenkten und mit mir, obwohl sie kein Englisch konnten, über das Leben philosophierten. Ich habe eine Indonesierin kennengelernt, die für mich kochte, die mich mochte, mit der ich lachte. Und das sind nur die ganz wichtigen Begegnungen.

Wenn man alleine reist, das wirst du sicher wissen, dann ist man plötzlich offen. Offen für andere und auch offen für sich selbst. Das klingt ein bisschen nach Klischee. Da ging ein Mädchen nach Bali, hatte ne super Zeit und entdeckte sich selbst ein bisschen mehr. Ja stimmt schon. Aber so war es eben. Bali hat mich gelehrt, dass man aufeinander Acht geben muss. Das Harmonie wichtig ist. Dass alles was ich tue, jede Entscheidung die ich treffe, auch mit meinem Umfeld zu tun hat. Es hat mich gelehrt, dass man auch Reis zum Frühstück essen kann und es furchtbar lecker ist. Dass Bananenpancakes auf Bali noch mal viel besser sind! Dass Affen ganz schön frech sind. Wie man auf dem Markt richtig verhandelt. Dass man sich nicht übers Ohr hauen lassen darf. Dass Kokosnüsse nur im Süden schmecken. Dass man wirklich überall mit dem Roller hinfahren kann. Dass nicht immer alles so schnell gehen muss. Genügsamkeit. Dass Reichtum im Auge des Betrachters liegt. Und dass das JETZT wichtig ist. Dass JETZT Begegnung stattfindet und das JETZT der Moment ist um das zu tun, was ich tun möchte.

Jetzt geh ich erst mal frühstücken. Ich hab nämlich sehr hunger. Reis gibt es leider nicht. Oder Gott sei Dank. Wie mans nimmt.

Sampai jumpa!

Julia

3 Kommentare

  1. Sebastian Lauer

    Wunderbar 🙂 ❤️
    Offtopic. Bild 2 ist so bezaubernd wie gruselig. Lass uns mal einen Horrofilm drehen „Das Mädchen aus dem Meer“. 😮
    Klingt alles richtig gut, Julia!

    Antworten
  2. Sylvia

    Hey Julia. Oh ich krieg gleich Fernweh! Toller Blogpost! ❤️

    Antworten

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